Gebirgsschützenkompanie Inzell  e.V.

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Die Fahrießbodenkapelle


Seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde am Inzeller Kienberg und am Rauschberg Blei und Galmei (Zinkerz) abgebaut und im heutigen Ortsteil Schmelz verarbeitet. Auf dem Fahrießboden – ein kleines Hochtal oberhalb der Schmelz – fanden sich die Bergknappen früher vor der Einfahrt in die Stollen in der dortigen Kapelle zum Gebet ein (Betriebsanordnung). Die Kapelle war zunächst im Jahre 1681 durch die Bergleute in Holz erbaut worden, bevor sie im Jahr 1800 vergrößert und in Stein gemauert wurde. Die Fahrießbodenkapelle soll nach alter Überlieferung zunächst den Patroninnen der Bergleute St. Barbara und St. Katharina geweiht worden sein. Auch nach der Blütezeit des Bergbaues blieb die Kapelle lange Zeit ein beliebter Wallfahrtsort für die umliegende Bevölkerung. Wohl mit dem Bau der Wallfahrtskirche in „Maria Kirchental“ bei Lofer nahm der Pilgerstrom ab und man erwählte wegen der wiederholt bekundeten Gebetserhörungen in Kirchental auch für den Fahrießboden die Gottesmutter Maria zur Schutzpatronin.

Mit dem Ableben der letzten aktiven Berknappen verwahrloste die Kapelle zusehends, aus diesem Grunde übernahm die Inzeller Gebirgsschützenkompanie die Betreuung der Kapelle. Die Schützenkompanie ist seither bestrebt, die bergbaulichen und christlichen Relikte aus jener Zeit auf dem Fahrießboden zu erhalten.

Im Zuge der schrittweise vorgenommenen Renovierungsarbeiten an der Kapelle entdeckte man auf der Rückseite des Altars folgende interessante Inschrift: „Dieser Altar ist von Neu gemacht von Gabriel Obermaier Tischlermeister zu Inzel und dessen Söhnen Simon und Michael wie auch geschnitzt von dehrn Tochter Anamarie Obermayrin 1829. Unsrer Frau            H. Pfarrer Conrad Schmiedkonz“. Ansonsten ist über die Kapelle nichts weiter bekannt, außer dass das Altarbild Gregor Gschwendner aus Karlstein gemalt hat. Weiters noch, dass sie der Maler Heinrich Huber aus Inzell wohl mal renoviert hat. Den Namen „Nagl“, der auch in der Kapelle erscheint, konnte man bisher noch niemanden zuordnen. Derzeit übernimmt Schützenkamarad Josef Maier mit seiner Frau die Betreuung der Kapelle.

Der letzte Bergknappe in Inzell war Josef (Sepp) Strasser, der auch der „Schmelz Sepp“ genannt wurde. Mit ihm starb auch der letzte Zeitzeuge einer 340 Jahre lang bestehenden Bergwerkstradition in Inzell, die einst im Jahr 1585 am Staufen (Arzkasten) begann. Zur Blütezeit des Bergbaues um das Jahr 1681 waren am sog. „Rauschenberg“ und in der Schmelze an die 94 Arbeiter beschäftigt und baute dabei wöchentlich rund 750 Zentner Beilerz und Galmei ab. Ab dem Jahre 1826 neigten sich die Erzvorkommen dem Ende zu und nach mehreren Wiederbelebungsversuchen wurde der Bergbau 1925 endgültig eingestellt. Bereits im Jahre 1862 wurden die gesamten Berwerksanlagen und Gebäude in der Schmelz öffentlich versteigert.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) und dem österreichischen Erbfolgekrieg (1741-1743) wurde das Bergwerk jeweils von einfallenden österreichischen Soldaten (vornehmlich Söldner slawischer Herkunft, die man wegen ihrer mangelnden Deutschkenntnisse als Tolpatschen bezeichnete) besetzt. Neben den Plünderungen der Bleivorräte und anderer Wertgegenstände wurden im Jahre 1704 auch verschiedene Berkwerksanlagen in Schutt und Asche gelegt. Auch die Inzeller Bevölkerung litt unter den Eindringlingen sehr. Im Oktober 1742 gelang es jedoch einem Schützenaufgebot aus Miesenbach, Weißbach und Inzell die sog. „Tolpatschen“ zu besiegen und des Landes zu verweisen. Zur Erinnerung an die damaligen Kriegswirren wurde auf halben Wege zur Fahrießbodenkapelle im Jahre 1746 in der sogenannten „Rast“ ein Marterl mit dem „gegeißelten Heiland“ errichtet. Das Rastmarterl wurde in den Jahren 1996 und 2005 mit Unterstützung der Kirchenverwaltung und die Inzeller Kirchenmaler Alois Stein und Ewald Schmaus restauriert. Nach dem schneereichen Winter 2018/2019 wurde das Marterl erneut stark beschädigt, so dass eine erneute große Renovierungsaktion notwendig wurde. Siehe hierzu den eigenen Bericht.

Ein Bildstock aus dem 17. Jahrhundert mit einer kunstvoll geschnitzten, barocken Madonna mit Jesuskind wurde bei einem schweren Sturm im Jahre 1917 durch umfallende Bäume zerstört. Die Madonna blieb dabei auf wundersame Weise unversehrt und steht seither im linken Seitenaltar der Pfarrkirche St. Michael (der Bildhauer dieses Kunstwerks ist leider nicht bekannt). Im Frühjahr 2003 begann die GSK Inzell den Bildstock am ursprünglichen Standort wieder zu errichten. Durch die großartige Spendenbereitschaft der Mitglieder und Gönner der Schützenkompanie konnte man bald auch eine originalgetreue Nachbildung der Fahrießbodener Madonna beim Holzbildhauer Josef Enzinger aus Weildorf bei Teisendorf in Auftrag geben. Die Fassung der Marienstatue übernahm der Gebirgsschütze Dieter Kübler; Mitglied und Goldschmied Gerhard Schmied fasste die Steine in der Krone und fertigte die Lilie in der Hand des Jesuskindes. Am 27. Mai 2005 konnte man dann im Rahmen der Maiandacht die feierliche Einweihung der Madonna vornehmen. Die würdevolle Feierlichkeit lockte an die 400 Gläubige den Berg zum Fahrießboden hinauf.

Seit 1981 beteiligten sich die Gebirgsschützen auch an dem traditionellen Bittgang zur „Hilfreichen Mutter am Fahrießboden“. Der Bittgang geht auf ein Gelübde der Inzeller Pfarrei auf das Jahr 1824 zurück, in dem im Trauntal ein „hitziges Fieber“ grassierte. Der Bittgang fand bis vor einigen Jahren alljährlich am Sonntag nach Fronleichnam statt.

Der bereits vor vielen Jahren verstorbene Pfarrer Alfons Hessenhofer schlug seinerzeit der GSK Inzell vor, doch auch auf der Knappenkapelle eine Maiandacht ins Leben zu rufen. Und so organisieren die Gebirgsschützen seit dem Jahre 1982 auch eine Maiandacht am Fahrießboden, die jedes Mal durch örtliche Volksmusikgruppen und dem Inzeller Volksliedchor musikalisch umrahmt werden. Bei schlechtem Wetter finden die Andachten in der Frauenkirche statt.

Nach der Kapelle führt der ehemalige „Knappensteig“ dann steil den Berg hinauf, bevor man rechter Hand den Gipfel des Streichers (1.594 m) und linker Hand den Gipfel des Zenokopfes (1.603 m) erreicht.

Auf dem Weg dorthin trifft man auf ca. 1.300 m auf die Gesteinshalden der ehemals sehr ergiebigen Stollen des „Ewigen Ganges“ und des Karlsstollens. Hier finden sich auch die Ruinen der ehemaligen „hinteren Knappenstube“, auf deren die Bergknappen früher werktags hausten. Gleich darüber gelangt man in die „Schneegrube“, die von den Einheimischen meist „Aschgrea“ genannt wird und in der sich im Sommer eine außergewöhnliche Alpenflora zeigt.

Ein Teil der Stollen und ein Maschinenhaus wurden im Jahre 1967 aus Sicherheitsgründen von Pionieren der Bundeswehr gesprengt. Die letzte Errungenschaft des Bergbaues am „Rauschenberg“, eine elektrische Förderbahn baute man bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg zur Alteisenverwertung ab. In früheren Zeiten wurde das Erz noch mühevoll in Säcken und auf Ziehschlitten (Schloapf“) ins Tal gezogen.